Wir brauchen besseren Schutz vor der nächsten Hitze

Unsere Pressemitteilung vom 13.07.2026 kannst du hier ansehen.

Letzter Freitag im Juni. Seit über einer Woche leiden Hanauer Bürger*innen unter der extremen Hitze. Ausgestattet mit einem Oberflächenmesser treffen wir – das sind Angelika und Mike – uns am Platz um die Ruine der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

Die Vollversiegelung rund um den Platz ist deutlich zu spüren. An unserem Treffpunkt im Schatten befindet sich ein Steinkreis als Sitzgelegenheit. Dass wir hier kurz innehalten und unser Vorhaben besprechen können, liegt am Schatten der umliegenden Häuser. Es ist der zweitkühlste Ort auf dem Platz: mit 37°C. Nur drei Schritte weiter zeigt das Messgerät bereits 47°C an.

Wir sind die einzigen, die sich länger als ein paar Minuten auf dem Platz aufhalten. Alle anderen überqueren ihn schnellen Schrittes. Viele sind es nicht.

Bemerkenswert: Die Temperatur zwischen versiegelter Straße und kurzgemähter Wiese unterscheidet sich um gerade 1°C. Das kann auch ein laues Lüftchen gewesen sein, das in diesem Moment den Unterschied gemacht hat.

Kühl wurde es erst unter den Bäumen. Im Schatten. Mit 10 bis 15cm Wiese. Das Blattwerk des jeweiligen Baumes kühlt die Lufttemperatur. Die langen Halme, Blätter und Pflanzen kühlen den Boden und halten die Erde feucht. Mit 30°C ist es zwar immer noch sehr warm, aber so angenehm, dass wir uns vorstellen könnten, uns hier niederzulassen, ein Buch zu lesen, ein Nickerchen zu halten oder, gäbe es ein Café, einzukehren.

„Ja, dann bleibt halt zuhause, wenn es euch zu heiß ist.“ Valider Punkt. Sofern zuhause in einem modernen Haus irgendwo zwischen Keller und erster Stock ist oder eine Klimaanlage hat. Wenn es eine erwachsene Person bei bester Gesundheit ist. Für alle anderen sind diese Hitzewellen eine riesige Herausforderung. Für einige bedeuten sie den Kampf ums Überleben.

Wir brauchen also ein Hanau, das seine Bürger*innen in solchen Hitzephasen schützt. Die nächste Hitzewelle ist bereits angekündigt. Sollte sie ausbleiben, wird es auch nächstes, übernächstes und überübernächstes und alle Jahre danach extrem heiß. Aufzeichnungen zeigen, dass der Trend sich beschleunigt.

Es darf nicht heißen: „Naja, jetzt ist es ja wieder kühl.“

Es muss heißen: „Wir nutzen die kühle Phase, um Vorsorge zu leisten.“

Langfristig bedeutet das den Umbau Hanaus zu einer klimaresistenten Schwammstadt. Doch jetzt braucht es kurzfristige Lösungen, die betroffene Menschen akut entlasten.

Das könnten konsumfreie Kühlräume, flächendeckende Trinkbrunnen, verbesserte Erreichbarkeit von Naherholungsgebieten oder die Verschattung von Aufenthaltsbereichen wie Spielplätze sein.

Diese Maßnahmen sind kein Luxusgut, sondern Kernaufgabe gesundheitlicher Daseinsvorsorge und sozialer Gerechtigkeit.


In einem geeinten, zukunftsorientierten Europa gehört das Recht auf ein gesundes Leben in einer intakten Umwelt zu den fundamentalen Grundwerten. Statt sich hinter Prozessen zu verstecken, muss hier zwingend proaktiv und lösungsorientiert gehandelt werden. Es braucht einen gewissen Pragmatismus, um die Menschen in ihrem Alltag zu entlasten.

3 hervorragende Beispiele aus Europa für ein kühles Hanau

Einrichtung klimatisierter, konsumfreier Räume: Die Stadt sollte an Hitzetagen öffentlich zugängliche, barrierefreie und klimatisierte Räume – etwa in Bürgerhäusern, Bibliotheken, im Congress Park Hanau (CPH) oder wie bereits im Stadthof– gezielt als kostenfreie Ruhezonen öffnen und ausweisen. Noch weitergedacht: Könnten hier provisorische Schlafplätze für Menschen in nicht klimatisierten Dachgeschosswohnungen eingerichtet werden.

Verbesserung der Erreichbarkeit von Naherholungsgebieten: Um die Überlastung der städtischen Bäder sozialgerecht abzufedern, sollte geprüft werden, wie an extremen Hitzetagen eine direkte, getaktete und kostengünstige ÖPNV-Anbindung (z. B. durch temporäre Express-Busse der HSB) aus den dicht besiedelten Quartieren zu umliegenden Badeseen realisiert werden kann.

Über digitale Kanäle und eine städtische App müssen Hitzewarnungen sowie schattige Zufluchtsorte bzw. kühle Räume in Echtzeit kommuniziert werden. Gleichzeitig ist das Netz an kostenlosen, wartungsarmen Trinkbrunnen im gesamten Stadtgebiet zügig auszubauen.

Damit ist unsere Liste möglicher Maßnahmen nicht abgehandelt. Angelika, Markus und Charlotte haben eine ganze Reihe an Handlungsmöglichkeiten, die wir nach Kosten und Machbarkeit bewerten. Denn die Frage nach dem Geld wird auf jeden Fall kommen, auch wenn wir der Meinung sind, dass der Gesundheitsschutz Vorrang hat, da er vor allem menschlichen und und nachrangig auch wirtschaftlichen Schaden abwendet.

Welche Maßnahmen fallen dir ein, die die Stadt Hanau für einen besseren Hitzeschutz (sofort) umsetzen könnte?