Fair Trade Town – Rede StaVo im März 2019

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, sehr geehrte Damen und Herren,

die Bezeichnung Fairtrade Town ist nicht nur nice to have und es geht auch nicht um Marketing, nein, es geht hier um Menschen. Es geht darum, dass wir uns damit dafür einsetzen, dass weltweit jeder Mensch ein menschenwürdiges Leben durch seine Arbeit führen kann, so wie es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Darum, dass wir nicht mit Ausbeutung einverstanden sind.
Ausbeutung gibt es sicher schon so lange, wie es die Menschheit gibt, von Sklaverei im alten Ägypten und alten Rom über die Kolonialzeit bis hin zur heutigen Zeit, in der große Konzerne für größtmöglichen Profit Verträge eingehen, sodass in der Wertschöpfungskette prekäre, schlecht bezahlte Arbeitsbedingungen einschließlich Zwangsarbeit geschaffen werden. Auch erhalten viele Arbeiter*innen trotz gefährlicher Arbeit nicht genügend Schutzausstattung oder müssen in Gebäuden arbeiten, die nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Da muss man nur an den Einsturz von Rana Plaza In Bangladesch vor 6 Jahren erinnern, bei dem 1135 Menschen ums Leben kamen. Hohe Arbeitslosigkeit bringt viele Menschen dazu, sich dem zu fügen und nicht zu widersprechen, da sie Angst haben, ihre Arbeit zu verlieren. Ein anderes Beispiel ist, dass vielerorts der Abbau von Rohstoffen, Grund- und Oberflächengewässer vergiftet und verunreinigt, aber auch Schwermetalle und Schadstoffe freisetzt, die die dort lebenden Menschen gesundheitlich belastet. In anderen Fällen, wie in der Atlantikküste Kolumbiens mussten immer mehr Dörfer der indigenen oder afrokolumbianischen Bevölkerung Steinkohlemienen für den Export weichen. Die Dörfer wurden teils gewaltsam geräumt.
Aufgrund extrem niedriger Löhne, wissen manche Familien nicht, ob sie am nächsten Tag genug zu essen haben. Und in manchen Fällen müssen die Kinder mit anpacken, oft auf Kosten von Schulbildung, die ihnen einen möglichen Ausbruch aus Armut hätte bringen können. Aber so wird dies ihnen versagt. Weltweit sind 150 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen. Eltern tun dies normalerweise aus größter Not heraus.
Solange es noch immer Menschen auf dieser Welt gibt, die von ihrem Lohn nicht leben können, da riesige Konzerne, sei es in der Kleidungs- oder Lebensmittelindustrie die Preise dermaßen drücken, damit entweder wir günstig und möglichst viel konsumieren und/ oder damit Großkonzerne unvorstellbare Summen an Profit erzielen können, können wir uns nicht zufrieden geben.
Lassen wir uns heute gemeinsam gegen jegliche Art von Ausbeutung auszusprechen und uns für den Fairen Handel einsetzen. Wir brauchen eine Welt, in der Menschen von dem leben können, was sie tun, in der niemand darum fürchten muss, ob die Familie genügend zu essen hat.
Letzten Monat gab es hier in Hanau unter der Leitung der Stabsstelle nachhaltige Strategien ein Sondierungstreffen einer Steuerungsgruppe für Hanau als Fair Trade Town, die sich am 2. April offiziell gründen wird. Hier konnten wir sehen, wie viele Akteure aus verschiedenen zivilgesellschaftlichen Gruppen, Privatleute, aber auch Cafés ein Interesse daran haben, gemeinsam den fairen Handel voranzubringen. Ganze 30 Personen nahmen hier teil. Dies zeigt, dass es in der Hanauer Gesellschaft ein Interesse am fairen Handel gibt. Wir können etwas bewegen. Denn Nachfrage steuert das Angebot.
Durch einen Magistratsbeschluss vor 8 Jahren, wurden bereits in Hanauer Einkauft Produkte aus fairem Handel aufgenommen, bei Sitzungen städtischer Gremien wird FairTrade Kaffe angeboten und auch in der Kantine werden Kakao und Kaffee aus fairem Handel ausgeschenkt.
Eine tolle Möglichkeit, die ich mir unter Anderem vorstelle, ist, dass wir eines Tages neben dem Weltladen auch einen fairen Kleidungsladen haben, wie es welche in Frankfurt gibt. Aber es braucht auch viel Aufklärung und Sensibilisierung, denn wir werden immer wieder durch Medien oder neue Trends dazu angehalten immer mehr und immer mehr zu konsumieren. So sollen Bildungsaktivitäten zum Thema fairer Handel umgesetzt werden. Am Weltfrauentag wurden dieses Jahr auf dem Marktplatz durch die Stabstelle Fair gehandelte Rosen verteilt. Eine weitere Möglichkeit sind Bildungsaktivitäten wie globales Lernen an Schulen, damit Schüler*innen und Schüler als Konsument*innen und Konsumenten für diese Themen sensibilisiert werden. Bei all dem derzeitigen politischen Engagement junger Menschen, auch hier in Hanau, bin ich da sehr optimistisch.
Auch auf Bundesebense gibt es von unserem Entwicklungsminister derzeit Forderungen, dass deutsche Unternehmen größere Verantwortung für ihre Lieferungen übernehmen sollen. Auch dies wäre ein notwendiger Schritt.
Sagen wir gemeinsam klar und deutlich, dass uns fairer Handel wichtig ist und werden wir eine weitere Stadt einer RheinMain Fair-Region, denn gemeinsam können wir mehr erreichen. Mit unseren umliegenden Städten Gelnhausen, Rodenbach und Erlensee sind wir damit in guter Gesellschaft und auch andere Städte in der Region wollen sich auf den Weg zur Fairtrade Town machen, neuestes Beispiel ist Bruchköbel.

Und so hoffen wir als Koalition auf eine breite Zustimmung für diese Vorlage.

Laura Bermudez (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen)

 

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