Frauen ein selbständiges Leben nach Gewalterfahrung ermöglichen – Grünen OB-Kandidatin Anja Zeller fordert mehr bezahlbaren Wohnraum für Alleinerziehende

Anja Zeller, Oberbürgermeisterkandidatin der Grünen in Hanau, hatte nach der Bekanntgabe ihrer Kandidatur im Dezember als allererstes Kontakt mit dem Hanauer Frauenhaus aufgenommen, um einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Zu einem guten Austausch über die Situation von vor Gewalt gefährdeten Frauen und ihren Kindern kam es nun vor Kurzem digital. Zusammen mit Monika Nickel und Josefine Lamß, den sozialpolitischen Sprecherinnen der Grünen Fraktion bzw. Partei, suchte sie das Gespräch mit Swantje Ganecki und Andrea Laus, Sozialarbeiterinnen vom Verein Frauen helfen Frauen, der Träger des Hanauer Frauenhauses.

Zunächst freuten sich die Grünen Frauen zu erfahren, dass der Stadtlauf 2020 zwar dezentral stattgefunden hatte, aber die Solidarität gleichbleibend groß war und genauso viel Spenden wie sonst eingesammelt werden konnten.

Im weiteren Gespräch ging es vor allem um die Lage der Beratungsstelle und des Frauenhauses während des letzten Jahres. Wie auf alle Lebensbereiche hatte Corona auch auf die Beratungsstelle enormen Einfluss. Frauen konnten weiterhin Kontakt und Rat zu Themen wie häusliche Gewalt, Stalking, Trennung und Scheidung und Zwangsverheiratung finden. Wichtig ist dabei immer, dass betroffene Frauen ohne großen Aufwand die Beratungsangebote und den Erstkontakt wahrnehmen können. Denn die Themen sind für die Hilfesuchenden nicht nur oft schwer auszuhalten, sondern auch schwierig in Gesprächen auszudrücken. Dass corona-bedingt zeitweise auf eine telefonische Beratung umgestiegen wurde, veränderte natürlich die Art und Weise, wie die Beratungsgespräche verliefen und erforderte hohe Sensibilität und Anpassung der Beraterinnen. Beratungsgespräche sind seit einiger Zeit auch wieder persönlich, unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen, möglich. Und auch auf die Arbeit im Frauenhaus hat die Pandemie großen Einfluss. So muss sichergestellt werden, dass Schutzsuchende genügend Abstand halten konnten.

Anja Zeller, Monika Nickel und Josefine Lamß interessieren sich besonders auch für die Umsetzung der „Istanbul Konvention“, die der Verein Frauen helfen Frauen, das Frauenbüro Hanau und viele weitere Organisationen in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis mit großem Engagement vorbereiten. So findet in einem Arbeitskreis „Gegen Gewalt an Frauen“ derzeit eine Bestandsaufnahme in Zusammenarbeit mit allen Beratungsstellen und Trägern im Main-Kinzig-Kreis statt, um genau die Forderungen umzusetzen, die für Hanau und den Kreis passen. Die Istanbul Konvention ist die Übereinkunft des Europaparlaments zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt. Für Deutschland trat das Bundesgesetz 2018 in Kraft. Zudem wurde die Umsetzung der Konvention im Koalitionsvertrag des Landes Hessen vereinbart. Die Istanbul Konvention verpflichtet zu einer bedarfsdeckenden, wohnortnahen, allgemein zugänglichen und angemessenen Infrastruktur wie Schutzräumen oder Beratungsstellen, um Gewaltschutz und Unterstützung zu garantieren. Forderungen, die sich aus der Istanbul Konvention ergeben, betreffen auch Schulungen und Weiterbildungen zum Thema Genitalverstümmelung für relevante Berufsgruppen wie Ärzt:innen und Hebammen oder die Finanzierung der erforderlichen Frauenhausplätze für alle Frauen, z.B. auch für EU-Bürgerinnen, die derzeit nicht anspruchsberechtigt sind. Auch die Hanauer Grünen wollen verstärkt an der Umsetzung der Konvention arbeiten, wie Anja Zeller versicherte. Ziel ist es beispielsweise eine weitere Personalstelle für das Hanauer Frauenbüro zu schaffen, um den Status Quo für die Umsetzung der Istanbul Konvention auch in Hanau besser vorzubereiten.

Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre für die Arbeit im Frauenhaus ist der Wohnungsmarkt in Hanau. Häufig bleiben Frauen mit ihren Familien viel länger im Frauenhaus, als sie müssten. Ganz einfach, weil sie keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Der Markt für bezahlbare Wohnungen ist im Rhein-Main-Gebiet so leer, dass der Weg in ein selbstständiges Leben erschwert wird. Dies kann auch dazu führen, dass Frauen, die durch gute Erfahrungen, gute Beratung und viel eigene Arbeit auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unüberwindlichen Problemen gegenüberstehen. Nur schwer eine Wohnung zu finden, kann den Glauben an sich selbst schwächen. Anja Zellers Idee, in Sportsfield Wohnungen auf Zeit für Frauen zu schaffen, fand großen Anklang. „Hier zeigt sich einmal mehr: Wir brauchen Wohnungen. Wir Grüne kämpfen nicht umsonst um den Erhalt von Sportsfield Housing.“

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