Grüne nehmen Stellung zum Mobilitätsleitbild der Stadt Hanau

Die Grünen in Hanau halten das Mobilitätsleitbild der Stadt Hanau, das am 10. Februar online aus dem CPH präsentiert worden ist, für nicht weitgehend genug.

Gesamtkonzept fehlt – beschlossene Klimaziele unberücksichtigt    

Die Zielsetzung „Leitbild“ weckte durchaus hohe Erwartungen, gibt es doch in Hanau vielschichtige Verkehrsprobleme. Betroffen sind alle Verkehrsteilnehmer*innen: Radfahrer*innen, Fußgänger*innen, Nutzer*innen des ÖPNV und natürlich auch Autofahrer*innen. Jedoch wurde das Leitbild nicht in ein integriertes Gesamtkonzept eingeordnet, das die vom Hanauer Stadtparlament verabschiedeten Klimaziele in Hanau berücksichtigt. Lärm und Schadstoffbelastung spielen keine Rolle.

Die vorgestellten Zahlen und Maßnahmen beruhen auf der Annahme, dass der Modalsplit, also die Verteilung der Verkehrsmittelnutzung, grundsätzlich bestehen bleibt und die absolute Zahl auf Grund des Zuzugs nach Hanau weiter steigen wird. Die Fläche in der Stadt ist jedoch begrenzt und es ist daher weder möglich noch gewollt, dem Verkehr mehr Raum als jetzt anzubieten, denn dies würde die Lebensqualität in der Stadt verschlechtern. Das angegebene Ziel, die Leistungsfähigkeit des Straßenraums für den Autoverkehr zu erhalten, widerspricht dem Ziel, Platz schaffen für Rad- und Fußverkehr.

Grüne Mobilitäts-Konzepte fördern Aufenthaltsqualität; sie stärken den Einzelhandel. 

Viele Bürgerumfragen haben ergeben, dass sich die Hanauer*innen eine autoarme, grüne Innenstadt wünschen. Derzeit ist es jedoch vergleichsweise bequem, mit dem Auto bis in die Innenstadt zu fahren und vergleichsweise mühsam, stattdessen das Rad zu benutzen, weil es häufig nur teilweise gute Radwege gibt, die immer wieder unterbrochen sind. Es ist wichtig, die Lücken zu schließen und durchgehende Wege zu schaffen, denn Radverkehr ist angebotsgetrieben: Wo es ein gutes Wegenetz zwischen den Ortsteilen und in die Stadt gibt, wird es auch benutzt und der Modalsplit ändert sich. Den Umstieg vom motorisierten Individualverkehr auf Rad-, Fuß- und öffentlichen Nahverkehr möchten die Grünen deshalb auf vielen Ebenen vorantreiben und erleichtern: Durch verbesserte Rad- und Fußwege, großzügigere Berücksichtigung bei der Raumaufteilung auf bestehenden Verkehrswegen und Einrichtung von Fahrradstraßen und Radschnellwegen soll der Umstieg vom Auto aufs Rad gefördert werden. Fahrradparkhäuser und Lademöglichkeiten für E-Bikes sollen den Radfahrer*innen noch mehr Unterstützung bieten.

Stärkung des ÖPNV

Die Nutzung des ÖPNV in Hanau kann noch weiter gesteigert werden durch dichtere Taktungen der Stadtbusse sowie bessere Verknüpfungen zwischen Bahn und Bus. Wichtig ist der schnelle Bau der nordmainischen S-Bahn auf eigenem Gleiskörper, um die Kapazität des Schienennetzes in der Region zu erhöhen und damit Chancen für bessere Angebote in Hanau im Nah- und Fernverkehr zu ermöglichen. Attraktive Tarifangebote, z.B. Jobtickets oder die Erstattung von Fahrkarten beim Einkauf in der Innenstadt, runden das Paket ab.

Die Mischung macht‘s

Letztendlich kann nur durch eine gute Verknüpfung der Verkehrsträger die Verkehrswende gelingen. Durch attraktivere Angebote wird der Verzicht auf das Auto möglich und zu einem – auch persönlichem – Gewinn. Dazu gehören ein gutes Wegenetz, ein enger Bustakt, ein Leihrad- und Carsharing-Angebot. Bedenken, dass eine Einschränkung des Autoverkehrs dem Einzelhandel schade, sind unbegründet, da Untersuchungen zeigen, dass Kunden, die per Rad oder zu Fuß kommen, zwar bei einem Einkauf weniger kaufen, aber sie kommen häufiger und kaufen in der Stadt ein. Spontankäufe werden eher von Fußgänger*innen als von Autofahrer*innen gemacht – Laufkundschaft kommt nicht nur dem Namen nach zu Fuß.

Statt mehr Verkehrsfläche brauchen wir mehr Stadtgrün und mehr Fläche für die Menschen in der Stadt – zum Flanieren, zum Spielen, für die Gastronomie – so schaffen wir es gemeinsam, dass unsere Stadt lebenswerter und attraktiver für die Menschen wird.

 

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