Trinkbrunnen sind Bausteine blauer Infrastruktur – wichtig und überfällig

Unverständnis bei Bündnis 90/Die Grünen über die Ablehnung, die Förderung von Trinkbrunnen für Hanau und die Stadtteile in Anspruch zu nehmen

Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel sind zwei Seiten einer Medaille. Mit einem vom Land Hessen geförderten Projekt „Anpassung an den Klimawandel in Großauheim – Fokus Gesundheit“ wurden bereits beispielhaft Hinweise und Anregungen zur Anpassung mit Hanauer Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet. Die Dokumentation enthält auch die Empfehlung, Trinkbrunnen als Bausteine blauer Infrastruktur zu installieren.

„Es kann nicht sein, dass sich die Stadt Hanau zwar ein Konzept zur Anpassung an den Klimawandel fördern lässt, die notwendigen Konsequenzen mit Blick auf die sich verschärfende Klimakrise daraus jedoch nicht gezogen werden,“ findet Angelika Gunkel, stellvertretende Fraktionsvorsitzende. „Derzeit sind die Fördervoraussetzungen gut und die Chancen sollten genutzt werden. Die Installation von Trinkbrunnen wird insbesondere in größeren Städten bald selbstverständlich sein, dann wird es teurer.“ Die Grünen Hanau erwarten, dass das letzte Wort zum Thema „Trinkbrunnen“ noch nicht gesprochen ist.

Deutliche Empfehlungen für Trinkbrunnen im öffentlichen Raum wurden von den Grünen in mehreren Hanauer Ortsbeiräten – Großauheim/Wolfgang, Steinheim, Klein-Auheim, Kesselstadt und Nordwest – mit Anträgen auf Förderung und Installation von Trinkbrunnen aufgegriffen, die jeweils mehrheitlich oder einstimmig verabschiedet wurden.

Ein Förderprogramm wurde im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplanes des Landes Hessen aufgelegt, so dass derzeit die Installation von Trinkbrunnen mit 100 % gefördert wird, da Hanau Klima-Kommune ist. Mehrere Städte und Gemeinden haben bereits Anträge gestellt.

„Förderprogramme für Trinkbrunnen gibt es zudem unter anderem vom Bundesumweltministerium, in Rheinland-Pfalz und seit Mai 2021 in Bayern. Im Juli 2021 wurde das `Zentrum für Klimaanpassung´ beim Bundesumweltministerium gegründet.“ erläutert die Stadtverordnete Petra Bauer. Ausdrücklich heißt es im Konzept: „Mehr Grünflächen, Trinkbrunnen und verschattete Plätze in Städten“.

In vielen Europäischen Staaten sind öffentliche Trinkbrunnen in Städten und Gemeinden im Einsatz. Die Stadt Zürich bietet in über 1.200 öffentlichen Trinkbrunnen Wasser an, in Berlin stehen derzeit mehr als 180 Trinkbrunnen zur Verfügung, der digitalen Karte „trinkwasser-unterwegs“ können die Standorte zahlreicher Trinkbrunnen in deutschen Städten entnommen werden.

In der Regel werden Trinkbrunnen insbesondere an heißen Tagen gern von der Bevölkerung angenommen. Trinkbrunnen sind Teil der Daseinsvorsorge, tragen zum Gesundheitsschutz und zur Müllvermeidung bei. Flankierend zu der Kampagne „Refill“, bei der in Gaststätten und Geschäften mitgebrachte Behältnisse kostenlos mit Trinkwasser aufgefüllt werden, sind Trinkbrunnen eine in der Regel von April bis Oktober zur Verfügung stehende Ergänzung.

In diesem Zusammenhang ist die Ablehnung der Stadt Hanau, auch Förderanträge für Trinkbrunnen zu stellen, verfrüht und nicht nachvollziehbar. Begründet wurde die Ablehnung der Errichtung von Trinkbrunnen mit Kosten für Wartungsarbeiten, die in der Tat anfallen, jedoch bei einer überschaubaren Anzahl von Brunnen im Sinne des Gesundheitsschutzes tragbar wären. Gänzlich unverständlich ist der Hinweis auf mögliche Verunreinigung mit Legionellen. Diese können sich nur vermehren, wenn warmes Wasser in Leitungen steht, in kaltem Wasser – wie bei sachgerecht installierten Trinkbrunnen – stellen Legionellen bekanntermaßen keine Gefahr dar.

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